Arbeiten mit Hungertüchern (1)

Die sprichwörtliche Redensart "am Hungertuch nagen" ist uns allen geläufig. Sie heißt so viel wie "Hunger leiden" und "arm sein". Weniger bekannt ist dagegen die Hungertuch-Idee. Sie entstammt einem alten, kirchlichen Brauch, der bis vor das Jahr 1000 n. Chr. zurückgeht. Das bischöfliche Hilfswerk Misereor hat diese Tradition 1976 aufgegriffen und ihr seitdem eine weltweite Resonanz verschafft.

Die Misereor-Hungertücher knüpfen weniger an die ursprüngliche Verhüllungstradition, als an die katechetisch-didaktische Funktion der mittelalterlichen Tücher an und stellen die bildlichen Darstellungen der alten Fastentücher vom Heilshandeln Gottes mit der Welt in einen aktuellen Kontext. (Aus: Schritte zum Frieden. Misereor Materialien für die Schule Nr. 35)


Misereor.de

Mit allen Sinnen lernen

Aus Sicht des Lehrers sind es die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten, die faszinieren. Das Hungertuch als immer wiederkehrendes Element in Unterricht und Schulpastoral, über Frühschichten bis hin zu Schulgottesdiensten steht für das verbindende Element des Glaubens. Es zeigt auf, dass Religionsunterricht, Schulpastoral und persönliche Begegnung immer getragen sind von derselben Glaubenserfahrung, die auch in den Hungertüchern thematisiert wird: Dass Gott uns nahe ist, dass sich in Jesus der unbedingte Heilwille Gottes offenbart hat und dass wir dies im Umgang mit allen Menschen in die Tat umsetzen sollen. Wenn man alle Möglichkeiten ausschöpft, die Hungertücher bieten, lassen sich eine Vielzahl von Lernzielen verwirklichen:
  • Lernen mit allen Sinnen
  • Korrelativer Unterricht
  • Selbsttätiges und handlungsorientiertes Lernen
  • Kreatives Arbeiten
  • Präsentation des Lern- und Arbeitsfortschritts
  • Lernen und Arbeiten im Team

Einsatz von Hungertüchern im Unterricht

Das Schöne an Hungertüchern ist, dass sie so viele Möglichkeiten bieten. Man kann in jeder Jahrgangsstufe mit ihnen arbeiten, viele Methoden sind möglich – vom kurzen Impuls bis hin zu einer ausführlichen Beschäftigung über mehrere Stunden hinweg.
 

Möglichkeiten zum Selbermalen

Ein Hungertuch im Unterricht zu malen ist nicht schwer. Die Motivation bei den Schülerinnen und Schülern ist sehr hoch. Ich habe bisher folgende Materialien ausprobiert:
  • Seidenmalerei: Sicherlich das schönste Ergebnis. Allerdings nur für Lehrer zu empfehlen, die Erfahrung mit Seidenmalerei haben und über einen Vorrat an Farben verfügen.
  • Transferfolie: Eine recht einfache Möglichkeit, denn das Motiv wird direkt auf ein Spezialpapier im Format A4 gemalt (siehe Beispiel unten Mitte). Geeignet sind Filzstifte oder Wachsmalkreiden. Das Textil-Gestaltungspapier wird nach dem Malen auf den Stoff gebügelt.
  • Stoffmalfarben: Gibt es auch in Form von Filzstiften, was im Klassenzimmer weniger aufwändig ist als "nasse" Farben.
  • Beispiele

    Um Beispiele aus meinen Klassen zu sehen, besuchen sie bitte meine Hungertuch-Ausstellung.

    Hungertuch-Bild
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